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W.E. (2011)

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W.E. PlakatFrauen auf der Suche nach Liebe: Verletzt, kalt, stark.

Die perfekte Liebesgeschichte gibt es nicht, das musste Regisseurin Madonna ihren eigenen Worten zufolge nach den Recherchen zu Wallis Simpson und Eduard VIII. feststellen. – Nun. Wallis Simpson (Andrea Riseborough) war jene Frau, die den britischen König Edward (James D’Arcy) dazu bewegte 1936 auf den Thron des Vereinigten Königreichs zu verzichten, um die bereits zweifach geschiedene Amerikanerin zu heiraten. Die Geschichte des stotternden Thronnachfolgers Bertie und späteren Königs Georg VI. war 2011 als THE KINGS SPEECH mit Colin Firth ein großer Kinoerfolg. Wie dieser Film, so interessiert sich auch Madonna in W.E. mehr für das Zwischenmenschliche denn für Historie oder Politik. Ganz anders aber als in THE KINGS SPEECH sucht W.E. das Drama mehr in Kostümen, Schmuck, Ausstattung und Musik als in psychologischen Zwickmühlen. Die vermutlich stark beschädigten Gefühle verstecken sich so unter expliziten Oberflächen und verbergen das wahre Drama, wie Wallis Simpsons stets perfekte Kleider ihre Herkunft verbergen – und vielleicht noch vieles mehr. Von Ringen oder Straucheln ist aber kaum etwas zu sehen. Der Schmerz in W.E. kommt überspitzt schnell, um sich hernach ebenso hastig in die erwähnungslose Dunkelheit zu flüchten. Was zu erzählen bleibt ist die Flucht nach vorn und nur wenig vom Fragilen dahinter. Pathetisch ist Madonna wahrlich nicht, eher kommentarlos explizit.

W.E. Cornish Isaac Image

Wally Winthrop (Abbie Cornish) trifft auf den überstilisierten Feingeist Evgeni (Oscar Isaac).

Tatsächlich geht es um Wally Winthrop (Abbie Cornish), eine ehemalige Mitarbeiterin von Sotheby’s Ende der 90er. Nicht nur die Besitztümer Edwards und Wallis, die gerade bei einer Auktion versteigert werden, auch ihr Name und einige andere unangenehme Gemeinsamkeiten schlagen eine Brücke zwischen der modernen Wally und jener Frau, die Madonna in aufwendigen Kostümen zwar auferstehen lässt, jedoch nicht näher bringt. Parallele Handlungsstränge zeigen Wally in ihrer unglücklichen Ehe mit einem brutalen und skizzenhaft gezeichneten Mann (Richard Coyle) und in der Vergangenheit Wallis, deren Partner einen Aufstieg von Rüpel zu Prinz durchlaufen. Bei hohem Schauwert und einem guten Soundtrack bleiben die wenig zwingend inszenierten Momente, welche ausgesucht wurden, diese große Liebesgeschichte mit bitterem Nebengeschmack zu erzählen, irgendwie verschwommen und traumhaft – wie die schlecht auflösenden Zwischenbilder einer wackeligen Kamera. Für besondere und intimen Momenten der historischen Erzählung wurde ein ebenso historisches Aufnahmeformat gewählt, das inmitten der ansonsten schmeichelhaft komponierten Bilder ein Gefühl von Doku oder Found Footage aufkommen lässt. Alle sinnlichen Reize zusammengenommen verwässern den schön anzusehenden und interessanten Film aber zu sehr in Richtung Bilderbuch, anstatt zu packen.

W.E. D arcy und Riseborough Bild

Roter Lippenstift: Edward (James D’Arcy) und Wallis (Andrea Riseborough) in einem traurigen Märchen…

Die Kälte, die die Figur der Wallis nicht abstreifen kann, wird für Wally zur sinngebenden Lebenshilfe in der Not. Bald wird sie sich den Problemen in ihrer Ehe stellen, bald wird sie Evgeni (Oscar Isaac) besser kennen lernen. Wo alle nur von Edwards Aufgabe des Throns reden, da werde vergessen, wie viel diese außergewöhnliche Wallis Simpson aufgeben musste, so das Credo des Films. Und die Wallis Simpson, die Madonna in W.E. zeichnet, ist weniger historisch korrekt als vielmehr die Interpretation einer starken, mutigen, selbstbewussten Frau, deren – selbst im Film erkannte – Unterkühltheit nicht auf berechnender Rücksichtslosigkeit fußt, sondern auf Schutz vor Verletzlichkeit. Deswegen solle sie wohl auch heute noch als Vorbild dienen. Die Wertschätzung für schicke Kleider und teuren Schmuck wird so gleich mit legitimiert, denn diese Dinge schützen vor

W.E. Tanz Bild

…aber immerhin ein Märchen.

der Gesellschaft – sofern sie nicht Grund für deren Spannungen  sind, möchte man hinzufügen. Ganz zufällig findet sich dann noch Rilkes Name in einem Film, der nicht selten an Lou Andreas Salomé denken lässt. Ein aktuelleres Bild für eine Frau dieses Kalibers wäre vielleicht Carla Bruni – und wo steht Madonna? Am Ende musste Wallis Simpson sehr viel aufgeben, denn die Londoner Gesellschaft blieb dem feierwütigen Paar auf ewig verwehrt. Von der Liebe hingegen war nicht viel mehr zu sehen als bestenfalls ein Aufruf zur Selbstliebe – als Reaktion auf die erfahrene Abneigung der Umwelt, den Neid, den Hass, die Gewalt. Wenigstens blieb genügend Liebe für Schauspielerin Abbie Cornish, deren Wärme vielleicht als das Vermächtnis der Generationen kämpfender Frauen vor ihr gelten kann. In Erinnerung bleibt zumindest eine Wallis Simpson, deren Bewegung auf der Tanzfläche der Welt von eben so viel aggressiver Exaltiertheit wie trauriger Verschlossenheit zeugt.

W.E. Boot Bild

Traumhafte Ausstattung: Wallis lässt sich feudal verwöhnen.

Ähnliche Filme:

The Kings Speech

Information:

UK 2012

Dauer: 115 Minuten

FSK:

Regie: Madonna

Drehbuch: Madonna, Alek Keshishian

DoP: Hagen Bogdanski

Musik: Abel Korzeniowski

Darsteller: Abbie Cornish, Andrea Riseborough, James D’Arcy, Oscar Isaac, Richard Coyle, David Harbour, James Fox, Judy Parfitt, Haluk Bilginer, Geoffrey Palmer, Natalie Dormer, Laurence Fox, Douglas Reith, Katie McGrath, Christina Chong, Geovanni Gopradi, Nick Smithers, Damien Thomas, Liberty Ross, Ryan Hayward, Charlotte Comer

Genre: Historien, Biopic, Drama, Liebesfilm, Liebesdrama

Im Kino: 21.06.2012

Im Web:

W.E. in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von W.E. auf der offiziellen Website

Copyright Bilder und Trailer: Senator

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