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L.A. Crash (2004)

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Episodenfilm um getriebene Menschen im Strudel von Rassismus und Kriminalität.

Vielleicht, weil sich die Menschen in dieser Stadt, in der keiner mehr zu Fuß geht, nicht mehr berühren und alles hinter Metall und Glas stattfindet, vielleicht müssen sie deswegen mit ihren Autos zusammenkrachen, um überhaupt noch etwas zu spüren, so sinniert eine der Figuren, die Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis für seinen Film über L.A. ersonnen hat. Aber eigentlich ist es ein Film über die Menschen und wie ziellos sie durchs Leben gespült werden, Kollisionen inklusive.

Es soll ja Menschen geben, die machen Anti Stress Übungen und Deeskalationstraining, aber die nimmt man doch nicht ernst, oder? Und es gibt anderen, die wissen gar nicht, warum sie schon wieder auf Hundertachzig sind, wenn sie losbrüllen. In L.A. CRASH gibt es nur letztere, aber das Deeskalationstraining gibt’s von Haggis gratis dazu. Sein Episodenfilm entschleunigt die Protagonisten aus ihrem Rush, zieht sie ganz tief runter, stößt ihnen vor den Kopf, lässt sie über sich selbst lachen und das schätzen lernen, was sie haben: Ihr unbegreifliches Leben. Bei all dem ist aber kein Gott und kein guter Wille im Spiel, es ist reiner Zufall. Wie die Welt des Zufalls aber so will, gibt es genauso andere, die eigentlich alles richtig machen und dennoch gnadenlos vom Schicksal bestraft werden.

Durch die vielen kleinen Dramen die L.A. CRASH eröffnet, halten die Kollisionen der einzelnen Episoden derart viele Hintergrundinformation für den Zuschauer bereit, dass er schließlich omnivisionär erkennen kann, was diese Menschen treibt und warum sie handeln, wie sie es tun. Hätten alle dieses Wissen, würden Menschen besser miteinander umgehen. Der Film zeigt auf, dass nicht alles so eingefahren ist, wie es scheint, dass nicht alles so schicksalhaft ist, wie man fürchtet. Stattdessen handelt es sich nur um die Verkettung einer unendlichen Reihe zufälliger Begebenheiten. Weil aber jeder seine Spur für die einzige und richtige hält, crashen die Menschen ineinander. Sie nehmen keine Rücksicht, vergeben nicht, erkennen sich nicht, sehen nur sich selbst. Haggis lässt nun die Würfel fallen und so wird Niedertracht zu Samaritertum, aus Rachsucht wird Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft endet schlimm. Keiner handelt unverständlich, aber doch hätte jeder anders agieren können. Die besten Dramen entstehen wohl, wenn alle das Gute wollen, aber aufgrund von fehlendem Verständnis  ihre Bemühungen in ein Fiasko leiten. So ist es womöglich wirklich das Glas und das Metall, das Geld und all die anderen Errungenschaften der Zivilisation, die uns im Leben von unseren Mitmenschen separieren und Schuld daran tragen, dass wir die anderen nicht mehr berühren, nicht erkennen, nicht mehr verstehen und uns so im vermeintlichen Recht zu Bestien ereifern.

L.A. CRASH wartet mit vielen schlechten Gefühlen auf und vieles scheint sich am Rassismus zu brechen. Die Welt ist verkorkst und ausweglos, wohin man blickt. Jede Menge Gelegenheit also für die Figuren nachzudenken und zu fühlen. In all diesen Momenten schlägt der Soundtrack mächtig zu. Sonorer Synthesizer Sound, wie Donnergrollen, lässt die sich aufbauende Handlung samt Dialogen teilweise gar nicht mehr aus seinem festen  Griff. Zwar ist man am Ende fast versucht im triefenden Klangteppich der Stimmungsmusik etwas wie Versöhnlichkeit zu finden, doch dann kracht es erneut in L.A. und  alles beginnt von vorn.

Ein stark emotionalisierender Film voller Konflikte, gutem Willen und fesselnder Spannung trotz Episodenstruktur, der angereichert wird von der guten Leistung einer Vielzahl bekannter Schauspieler. Lediglich die meditative Musik schrammt manchmal an der Grenze des Diegesebruchs.

Information:

Oscar Gewinner 2006, bester Film, bester Schnitt, bestes original Drehbuch

Engl. Titel: Crash

USA 2005

Dauer: 112 Minuten

Regie: Paul Haggis

Drehbuch: Paul Haggis, Bobby Moresco

Schnitt: Hughes Winborne

Darsteller: Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Brendan Fraser, William Fichtner, Terrence Dashon Howard, Chris ‚Ludacris’ Bridges, Thandie Newton, Ryan Phillippe

Genre: Episodenfilm, Drama

Im Kino ab: 04.08.2005

Im Web:

L.A. CRASH in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von L.A. CRASH auf der offiziellen Website

L.A. Crash (2004), reviewed by Christopher Haug on 2011-01-14T14:03:10+00:00 rating 4.0 out of 5

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