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Vermittler

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Wenn man vom Einen zum Anderen will, muss man wo durch, drüber, dran vorbei oder hat auf irgendeine andere Art mit einem „Anderen“ zu tun als dem, was man eigentlich tun will. Wenn ich in der Nase Bohren will, muss ich erst den Arm heben usw.

In vielen Fällen kann das ganz schön nervig werden, weil sich dazwischen, also auf den Weg vom einen zum anderen, immer häufiger Vermittler schieben. Sie suchen einen Job? Dumm nur, dass Jobs massenhaft von Vermittlern angeboten werden, die immer daran verdienen, auf die eine oder andere Weise. Und nicht selten kommt man nicht um sie herum. Das Gleiche mit der Wohnungssuche. Das gleiche im Internet. Am schlimmsten im Internet!

Vermittler sind schlau. Irgend jemand macht irgendwas und sie zeigen ihm auf, was er alles nicht weiß, was er falsch machen könnte, erzählen Geschichten von Dingen, die ihnen schon wiederfahren sind und verwendet dabei vor allem Geschichten, die ihnen andere erzählt haben und nutznießen so deren Aufmerksamkeit. Der andere wird verunsichert, der Vermittler rückt in den Mittelpunkt. Er jongliert vor allem mit Aufmerksamkeit, die er den Leuten massiv zukommen lässt, was anständige Menschen erröten lässt. Die Aufmerksamkeit die er gibt, nimmt er von anderen Menschen, denen er aufmerksam zugehört hat, denn was sie ihm sagten verwendet er jetzt als Frage, Einwand und Zuspruch für den anderen. Der Vermittler ist eigentlich der perfekte Ehemann! Er ist ein Diplomat. Nur eins ist er eben nicht: Jemand der etwas schafft. Der Vermittler ist ein Knotenpunkt. Als Knotenpunkt stellt man nichts her, man wagt nichts, lebt recht krisensicher und bekommt mehr und mehr Macht je mehr Wege über diesen Knotenpunkt laufen. Deswegen liegt dem Vermittler auch so viel daran immer aufmerksam zu sein. Irgendwann kann er selbst die Wege bestimmen, die die anderen gehen sollen und so wird der, der am wenigsten schafft, der, der am meisten bestimmt. Das ist im Internet nicht anders, als in der Politik.

Und dann reden immer alle vom social networking und natürlich will jeder mitmachen und keiner was verpassen, dabei sehen sie nicht, dass die größten Knoten längst geknüpft sind und sie alle wie die Schäfchen nur auf die Felder hüpfen, auf die sie hüpfen sollen, denn die Wege sind bereits bestimmt. Und wer gewinnt damit? Aber was jetzt so aussieht, also würden wenige große Vermittler die ganze Welt lenken, ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer. Die Macht mögen sie haben, und sie nutzen sie auch, nur wofür? Sie wissen es wohl selbst nicht, denn sie haben ja keinen mehr der ihnen sagt, was sie wollen. Also verwenden sie ihre Macht überwiegend, um die Macht zu erhalten und lassen sich nicht davon aus dem Konzept bringen, dass sie nicht wissen wohin das Boot fährt.

Die Knotenpunkte wachsen weiter und bilden ein riesiges Gehirn, in dem wir alle fleißig mitwursteln. Aber anders als in Hobbes Leviathan kann keiner mehr behaupten er wüßte, wo er wäre oder was er täte, oder wozu er mit seiner Arbeit und seinem Sein eigentlich beitrage, und das obwohl sich alle sehr sicher sind, miteinander vernetzt zu sein, also irgendwie ein Ganzes zu bilden glauben. Aber nur weil man im Gehirn sitzt heißt das noch lange nicht, dass man weiß wie sein eigener Arsch aussieht. Nicht einmal die großen Knotenpunkte, die den Ausbau des Gehirns Gesellschaft vorantreiben, wissen wohin das alles führt, und wenn es darum geht den Karren nicht in den Dreck zu fahren schieben sie sich die Verantwortung immer gegenseitig zu. Die Politiker schieben es auf die Medien, die Medien auf die Großkonzerne und die Großkonzerne auf die Politiker und irgendwie haben sie ja auch alle Recht, denn die, die hier Entscheidungen treffen sind Vermittler, und die schaffen ja nichts. Aber auch wenn sie nichts schaffen, hat jeder von ihnen sehr viel Macht, nur weiß keiner, wie diese Macht funktioniert und was dieses Rad eigentlich antreibt, das wir alle drehen und das uns immer mehr den Eindruck vermittelt, es würde uns drehen.

Naja, aber die Vermittler helfen uns ja. Godard ließ einst sagen: „Gebt mir ein Auto, gebt mir einen Fernseher, aber bitte, bitte nehmt mir die Freiheit!“ Die Vermittler haben uns geholfen, sie haben uns die Freiheit genommen, die schlimme Qual der Wahl. Wollen sie Ihre Suche auch einschränken? Es ist doch eine Erleichterung, dass die Universalmaschine Computer endlich nicht mehr universal ist und so verwundert es auch nicht, das die restriktivsten und simplifiziertesten Produkte in der Computerwelt die erfolgreichsten sind.

Dem Teufel wird oft unterstellt, seine größte Leistung sei es gewesen uns glauben zu machen, er existiere nicht. Das Internet ist die Freiheit Leser, es existieren keine Grenzen und keiner sagt uns was wir tun sollen, was wir wollen sollen, was wir suchen sollen und was wir finden sollen. Es leben die Vermittler und wir, ihre braven Schäfchen. Übrigens, weiß jemand wie man Vermittler – Vermittler wird?

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