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Die Vollendung des Zinedine Zidane

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Im Simulacrum des public viewing, des friedlichen Fan Festes der Weltmeisterschaft, dem bloßen Bild der Illusion der friedlichen Welt, gibt es nur einen der Kopf bewahrt, die Ehrlichkeit hochhält und sich unsterblich macht mit seinem Versagen: Zinedine Zidane.

10.07.2006

Es war als träte Humanismus gegen Korruption an und die Mehrheit siegte: Italien! Warum hat Zidane das bloß getan? Welche Worte haben ihn so verletzt. Ihn! Gerade Ihn? Es sind die Worte, die uns ins Unglück stürzen, nicht die Taten, so schreibt der spanische Schriftsteller Javier Marías, und er wird auch in diesem Falle recht behalten, auf lange Sicht.

Wie feige sind diese vielen kleinen und immer heimlich begangenen Fouls, die ewigen Lügen, das Betrügen und das nachherige Hochhalten einer holen Moral, welche wie ein Schutzschild die Einsicht abblockt uns ins eigene, böse Maul der Ehrlichkeit zu sehen. Der Ehrlichkeit mit uns selbst, der Erkenntnis um den Menschen selbst: Ein böses Wesen. Aber eben auch ein gutes. Und eben immer beides gleichzeitig.

Aber die Welt zieht es vor Schuldige klar zu erkennen, abzutrennen von den scheinbar guten Menschen, sie zu separieren, heraus zu operieren wie ein lästiges Krebsgeschwür – ohne zu erkennen, dass sie sich selbst zerfleischt. Zidane war ehrlich. Er war menschlich. Und er hat versagt. Aber verraten hat er nicht. Menschliches, allzu Menschliches!

Wenn wir sagen, es ist falsch Menschen zu töten, Gewalt anzuwenden, auf welche Weisheit stützen wir uns da, wir Menschen der wissenschaftlichen Moderne? Woher kommt unsere Moral. Sind es Überbleibsel alter Religionen, ist es Wirtschaftlichkeit, gibt es naturwissenschaftliche Untersuchungen hierzu? Vermutlich weiß es keiner mehr so genau. Und brechen wir dieses Gebot nicht selbst immer wieder, unter dem Deckmantel des Humanismus, in Kriegen und anderen Auseinandersetzungen mit Querläufern? Was ist das für ein Humanismus, der Kriege führt, sich selbst aber Frieden auf die Fahnen schreibt? Es ist ein verlogener, und er steht in keinem Zusammenhang zum ser humano, zum menschlichen Sein. Der Mensch entspricht nicht den glatten Hochglanzprospekten von Großkonzernen, die bedauerlicherweise die Welt immer mehr mit ihrer Ideologie überfluten, mehr noch als mit ihren Produkten.

Zinedine Zidane ist ein Mensch, und was für einer. Wohl tat es ihm kurze Zeit später leid, Gewalt angewandt zu haben. Aber für einen Moment blitzte der Mensch auf. Wohl wissend um die Konsequenzen, wohl wissend, dass er diese Nacht in den Katakomben verbringen würde, wohl wissend, dass er sich allein gegen alle stellen würde, wohl wissend, dass er in genau diesem Moment dieses verlogene Spiel nicht mehr länger mitspielen wird. Das ist Mut. Gut ist es nicht. Aber das würde er wohl auch nie behaupten, im Gegensatz zu vielen Kritikern, die sich jetzt gegen ihn stellen – nein, gegen die er sich stellte. Aber wir alle, wir geben doch vor zu wissen was Gut ist, und selbst gut zu sein. Und wenn wir jemals den Mut haben sollten ehrlich mit uns selbst zu sein, dann erkennten wir auch was unser Gut bedeutet: Lüge, Blindheit, Angst.

Heinrich Manns Franzose Henri IV hatte auch Mut und bezahlte mit seinem Leben dafür. Hoffentlich wiederholen wir diesen Fehler nicht. Dem König gab man den Beinamen der Große. Und Heinrich Mann beschrieb seine Vollendung.

Zinedine Zidane fand seine Vollendung im Berliner Olympiastadion, beim Finale der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Es ist wünschenswert, dass auch er einen Autor bekommt, der die Worte zu seinen Taten findet. Eins sei jetzt schon gewählt: Unbändig.

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