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Still Walking (2008)

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still walkingUnaufgeregter Film über den Gang des Lebens, die Albernheit der Familie, die Tölpelhaftigkeit des Zwischenmenschlichen und die mitunter bösen Schwächen des Menschen. Klug und versöhnlich.

Ryo (Hisoshi Abe) reist mit seiner Familie zu seinen Eltern, gezwungenermaßen. Seine Schwester Chinami (You) ist mit Kind und Kegel bereits vor Ort und hilft ihrer Mutter Toshiko (Kirin Kiki) das Essen zu bereiten. Von Anfang an wird man gepackt von der unnachahmlich ungezwungenen Art der Dialoge, mit denen Regisseur und Drehbuchautor Hirokazu Koreeda nicht nur in Windeseile seinen Figuren Leben verleiht, sondern ganze Dramen in einem Nebensatz erzählt. Gefochten wird mit Worten, spitz und leichtfüßig, ohne aber den Boden des guten Tons zu verlassen. Einzig Großvater Kyohei (Yoshio Harada) nimmt sich das Recht heraus den Teufel beim Namen zu nennen, doch isoliert vom Rest der Familie, haben seine Worte nurmehr eine repräsentative Funktion, genauso wie die Anrede Doktor, die der alte Mann auch ohne zu praktizieren noch gerne hört. In den kommenden 115 Minuten werden wir viel erfahren über die Wünsche, die Ängste und die Fehler der Familie Yokoyama, obwohl eigentlich kaum etwas passiert. Nach einer Weile wird wenigstens der Grund des Zusammentreffens klar, das entfernt an Ostersonntag mit Spaziergang erinnert. Es ist der Jahrestag des Todes des ältesten Sohnes. Deswegen ist der Großvater so verbittert, denn Ryo wollte anders als sein Bruder nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten. Deswegen ist Ryo so verbittert, denn seinem Vater war er nie gut genug. Deswegen ist Ryo’s Mutter verbittert genug, den Jungen, den der Sohn rettete als er sein Leben gab, jedes Jahr einzuladen und mit höflicher Bosheit zu quälen. Die Kette der Verbitterung reicht bis zu Ryo’s Frau Yukari (Yui Natsukawa), denn die Mutter erachtet die Witwe als gebrauchtes Exemplar und ungenügend für ihren Sohn, was dieser freilich nicht entgeht.

Wer nun glaubt STILL WALKING wäre ein Film voll Keiferei und schlechter Laune liegt falsch. Vielmehr kann man sich des Lachens mancherorts kaum erwehren, so trocken und zynisch, aber auch absichtslos scheinheilig fallen die Hiebe. Zwar will man Mutter Toshiko kaum unterstellen, sie wüsste nicht was sie tut, als sie ihren Mann mit einem Lied und ein paar beiläufig gesprochenen Worten in Schach hält. Aber es kommen doch wieder Zweifel auf, wenn sie Ryo’s Frau noch während sie diese beschenkt höflich das Wort im Munde herumdreht und ihr ganz unbedarft die Schlinge um den Hals legt. Kann soviel Bosheit so unschuldig sein? Im nächsten Moment zeigt Koreeda sie in höchster Verletzlichkeit. Jeder ist verletzlich in STILL WALKING, einem Film, der das Leben beschreibt wie es wohl ist: Ein ewiges Weitertrotten bis zum Tod. Wie nahe der Tod dieser Familie bereits gerückt ist, zeigt nicht zuletzt der verstorbene Sohn. Ryo’s Schwester will mit Familie zu den Eltern ziehen, die wohl bald Pflege bedürfen. Aber hier will jeder etwas anderes und kaum ein Wunsch scheint dem anderen zu entsprechen. Dennoch werden fast alle von einem Gedanken durchströmt: Dem Weiterleben im Anderen. Die Alten Wünschen sich ihre Traditionen fortgesetzt, die ganz Jungen wollen so werden wie die Erwachsenen, doch irgendwo mittendrin scheint nichts mehr zusammen zu passen. Am Ende jedoch, ja, am Ende, da schmerzt das ewige aneinander Vorbei. Und dann wird doch weitergelebt. Gerade deswegen. Vereint im Schmerz und versöhnt in der Trauer. Ein beiläufiger, trotzdem sehr pointierter und nachdenklicher Film, der mit seiner angenehmen Art schwere Kost leicht serviert.

Ähnliche Filme:

Die Reise nach Tokio

Information:

Jap. Titel: Aruitemo aruitemo

Japan 2008

Dauer: 115 Minuten

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

DoP: Yutaka Yamasaki

Musik: Gonchichi

Darsteller: You, Yui Natsukawa, Shohei Tanaka, Kazuya Takahashi, Hiroshi Abe, Kirin Kiki, Yoshio Harada

Genre: Drama

Im Kino: 18.11.2010

Im Web:

Still Walking in der IMDb

Still Walking auf der offiziellen Website

 

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