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Moonrise Kingdom (2012)

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Moonrise-Kingdom PlakatEin Film wie ein Film: Traumhaft, einfach, großartig – und todernst!

Wir befinden uns in den Sechzigern auf einer abgeschiedenen Insel vor Neuenglands Küste. Die Post kommt mit einem Wasserflugzeug, es gibt einen Leuchtturm und einen Damm, Segelboote, Kanus und eine Fähre. Der Wald leuchtet europäisch und sieht so herrlich real aus, dass der Einbruch des Surrealen in seine konservative Natürlichkeit auf Anhieb den maximalen Märcheneffekt erzeugt – in einer Synthese aus Fantastischem und handfester Realität herbeigeführt durch pfeilgerade Individuen. Unbeirrbar und akkurat folgen diese Figuren ihrem vorgezeichneten Pfad, wie eine Armee von Kuka Industrierobotern, nur in Khaki statt in Orange. Das sind die militärisch gedrillten Pfadfinder unter der Leitung des Scout Master Ward (Edward Norton), doch diese Brigade höchstens 12 jähriger bildet nicht das Ende der Fahnenstange abrupter Sorgfalt. Vielmehr hebt Regisseur Wes Anderson diese Tugend als prägendstes Stilmittel des Filmes hervor und erschafft so einen einzigartigen Ton der Stilisierung, der den Blick aufs verschachtelte Herz im komplizierten Leben umso klarer freigibt. Es ist der rührende Charme eines Kindertheaters, bei dem sich ein kleiner Protagonist mit fragwürdiger und forcierter Intonierung lauthals ans Publikum wendet, um vollkommen vorbehaltslos und zudem überzeugend zu verkünden: Ich bin ein Baum. Es ist der Mut der Entscheidung für die Fiktion, ohne sie als solche zu erkennen. Unbefangen, mit aufrechtem Herzen und enthusiastischer Disziplin. Und so wird er zum Baum und die Fiktion zur Wirklichkeit. Halleluja!

Sam (Jared Gilman) weiß genau, wohin er mit Suzy (Kara Hayward) will.

In einer starken Kamerafahrt zu Beginn des Films lässt MOONRISE KINGDOM die Räume des Hauses der Familie Bishop aneinander reihen, als wäre die Kamera ein computergesteuerter Scanner, der mit höchster Präzision mal extrem schnell und dann wieder extrem langsam über ein Wimmelbilderbuch huscht. In diesem abenteuerlichen Konstrukt aus Leiter, Falltür und Leseecke regieren die Anwälte Mr. Bishop (Bill Murray) und Mrs. Bishop (Frances McDormand) über ihre vier Kinder – mit Hilfe eines Megafons und kleiner Karos. Filius Lionel legt mit strenger Mine und Mortimer-Morgenrock eine Platte auf, in der ein klassisches Orchester von und für Kinder erklärt wird. Die anderen Dreikäsehochs scharen sich um ihn auf dem Boden, als würden sie auf Mary Poppins Ankunft warten und wie eine Muse nimmt die etwas ältere Suzy (Kara Hayward) über den Jungs schwebend ihren Platz am Fenster ein. Das ist eines von vielen wunderschönen und bis ins Detail durchkomponierten Tableaux vivants, mit denen MOONRISE KINGDOM zu begeistern weiß. Von Kostüm über Ausstattung und Requisite werden die 60er derart konsistent und schräg hochgestapelt, dass eine absolut wasserdichte Filmwelt entsteht, der selbst die zahlreichen Bilder ungeschminkter Natur nichts mehr anhaben können – ganz im Gegenteil. MOONRISE KINGDOM verzaubert alles und jeden.

Moonrise Kingdom Plymouth Bild

Captain Sharp (Bruce Willis) weiß nicht so genau, wohin er muss, dafür hat er stets heißen Sound in seinem Plymouth.

Sam (Jared Gilman) ist aus dem Pfadfindercamp ausgebüchst, um mit Suzy durchzubrennen. Steine lutschend und Seile spannend entscheiden sich die beiden gewalttätigen Problemkinder in ihrer eigenen Welt erwachsen zu sein, todernst, vom ersten Kuß bis zur Zukunftsplanung. Der traurige Junggeselle Captain Sharp (Bruce Willis) und die übrigen Pfadfinder versuchen die Ausreiser zurückzuholen. Mr. Bishop liegt Sharp dabei schwer im Nacken und ohne die Hilfe des immer wieder real in Erscheinung tretenden Erzählers (Bob Balaban) würde die Suche wohl heute noch andauern… Mit zunehmender Absurdität wird MOONRISE KINGDOM auch zunehmend ernster und immer berührender – aber halt, für Sentimentalität bleibt selbstverständlich kein Platz im Leben eines Khaki Scout! Schon gar nicht, wenn auch noch Tilda Swinton als rabiate und steife Personifizierung des Jugendamts Jagd auf Sam macht. Wes Andersons Welt windet sich unter dem Zugriff des Jugendamts. Seine Kinder leben nicht nur aufrechter, sondern auch verantwortungsvoller als die Erwachsenen. Sie stehen ohne Hintergedanken zu ihren Überzeugungen und sind soviel mutiger als wir. MOONRISE KINGDOM ist weder ein reiner Kinderfilm noch ein realitätsfremdes Märchen, sondern ein sehr gefühlvoller, kluger und kreativer Blick auf eine Welt voller Probleme. Ein must-see mit klasse Musik!

Moonrise-Kingdom-Motorrad Bild

Das Motorrad hat schließlich auch seinen Platz in der aufgeräumten Welt von Moonrise Kingdom gefunden.

Ähnliche Filme:

Die Royal Tenenbaums

Information:

USA 2012

Dauer: 95 Minuten

FSK: 12

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson, Roman Coppola

DoP: Robert D. Yeoman

Musik: Alexandre Desplat

Darsteller: Bruce Willis, Edward Norton, Tilda Swinton, Bill Murray, Frances McDormand, Jason Schwartzman, Harvey Keitel, Bob Balaban, Kara Hayward, Jared Gilman, Neal Huff, Tommy Nelson, Charlie Kilgore, Jake Ryan, Chandler Frantz

Genre: Märchen, Drama, Kinder, Liebesfilm

Im Kino: 24.05.2012

Im Web:

Moonrise Kingdom in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Moonrise Kingdom auf der offiziellen Website

Copyright Bilder und Trailer: Tobis Film

Moonrise Kingdom (2012), reviewed by Christopher Haug on 2012-05-17T18:21:45+00:00 rating 4.5 out of 5

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