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Eine Familie (2010) | Filmkritik und Trailer

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Eine Familie (2010) FilmKonflikte über Konflikte lässt Regisseurin PerniNote 3lle Fischer Christensen in EINE FAMILIE aufbrechen und obwohl am Ende alles gelöst scheint, war doch nichts anderes als die Zeit am Wirken.

Rikard (überragend gespielt von Jesper Christensen) ist kein schlechter Mensch, aber Geld und Erfolg lassen die Menschen nicht selten ihre Umwelt verändert wahrnehmen. Vielleicht ist es also die traditionsreiche und erfolgreiche Hofbäckerei, die ihm in schlechten Momenten die Demut vor dem Leben nimmt und seine egozentrische Ignoranz verschuldet. In guten Zeiten jedoch ist von all dem wenig zu spüren, denn wer viel zu geben hat, kann Selbstgerechtigkeit auch unter Gönnertum verbergen. Aber davon handelt EINE FAMILIE nicht, wenngleich auch dieses zwischenmenschliche Schlachtfeld betreten wird. Jedenfalls ist Rikard schwer krank und alle in der Familie machen sich Gedanken, wie es nun weitergehen soll.

Die Familie, das ist Richards Freundin Sanne (Anne Louise Hassing), die Mutter seiner jüngsten Kinder. Das sind aber auch Ditte (Lene Maria Christensen) und ihre Schwester, seine älteren Töchter aus vorangegangener Ehe. Diesen Menschen begegnet das Thema Sterben als Niedergang eines Patriarchen, als Verlust eines Vaters und Ehemanns, als Gefährdung eines Unternehmens, als Neusortierung der Zukunft, als Verlust der Unschuld und als Konfrontation schließlich mit dem körperlichen Verfall. Und weil all dies immer noch nicht genug zu sein scheint, blitzt auch noch Geschwisterneid durch, neben dem Drama einer Abtreibung, dem Jobdilemma und einer allseits verbreiteten Undankbarkeit. Auch wenn in den Momenten, wo es ganz hart kommt, die Kamera ganz undogmatisch „dogmatisch“ schwankt und die Schnitte wie die Emotionen über Leerstellen hinweg springen, erinnert der Film thematisch eher an Daily Soap als unmittelbare Realität. Der Dogma Einschlag scheint nur dann stattzufinden, wenn es die Schauspieler partout nicht mehr schaffen die oftmals undurschaubare und ominös motivierte Gefühlsachterbahn im On zu fahren.

Insgesamt fehlt es an allen Ecken und Enden an Konsequenz, denn EINE FAMILIE will sich nicht darauf einlassen, die eine oder die andere Figur zu schlecht abschneiden zu lassen oder dem Thema Sterben mehr abzugewinnen, als dass es eben geschieht. Hilflos wirken sie alle: Der, der gehen und seine Autorität wiederwillig abgeben muss ebenso wie jene, die die Verantwortung nur sehr zögerlich übernehmen. Manchmal entsteht gar der Eindruck, der Film versuchte nur irgendwie den Wunsch der Kinder auf ein baldiges Ableben der Eltern zu rechtfertigen. Dazu werden in der Hauptfigur Ditte einfach so viele Probleme fokussiert, dass man sich irgendwann ohnehin wundern muss, dass sie keinen Nervenzusammenbruch erleidet. Latent taucht das Gefühl auf, dieser Film würde die persönliche Vergangenheit der Regisseurin irgendwie entschuldigend aufarbeiten, nicht erst wegen des Songs „Where ist the truth behind your innocence“ am Ende.

Mehr belehrend als rührend wirkt das Intermezzo der neun bis dreizehnjährigen Kinder im Umgang mit dem Sterben. Vom Schockzustand gehen sie zur Aufmüpfigkeit über, um schließlich hilfsbereit und verantwortungsvoll zu werden. Eben dieser Bogen soll wohl das Idealbild darstellen, denn gewisse Szenen werden unter den Erwachsenen gespiegelt. Jedoch ist die Wandlung bei diesen weder zu erkennen noch nachvollziehbar, weswegen die Stimmung, die der Film am Ende anschlägt, einen weitern Sprung darstellt. Wie Ditte nur von Liebe spricht und es nicht schaffte ihren Vater zu berühren, weder beim Sterben noch danach, so berührt auch die Dramaturgie kaum, deren „Die Zeit heilt alle Wunden“ Credo die Versöhnlichkeit nur deswegen erzeugen kann, weil man gegen das Sterben ebenso wenig etwas unternehmen kann wie gegen den Umstand, dass an jedem verfluchten Tag die Sonne aufs Neue aufgeht, ob man nun will oder nicht. Diese Art der Versöhnlichkeit ist eigentlich keine, sondern ein Liegenlassen des Unbewältigten, ein Herunterschlucken ohne Kauen. So gesehen ist der Film dann wohl doch realistisch, denn so undifferenziert und beliebig wie dieser Film findet wohl auch meist das Sterben statt.

P.T. Anderson sprach in MAGNOLIA von einer Vergangenheit, mit der zwar die Menschen abschlössen, die selbst aber nie mit den Menschen abschließt. Chris Marker ließ in SANS SOLEIL sagen: „Wer hat gesagt, die Zeit heile alle Wunden? Besser sollte man sagen, die Zeit heilt alles, nur nicht die Wunden. Mit der Zeit verliert die Wunde der Trennung ihre wahren Ränder, mit der Zeit wird der begehrte Körper nicht mehr sein, und wenn der begehrende Körper schon aufgehört hat, für den anderen zu existieren, ist das was bleibt eine Wunde ohne Körper.“ Und sogar der Maschinenmensch Data aus Raumschiff Enterprise hat sich diesem Thema gehaltvoller genähert als Regisseurin Christensen, als er nach einer Trauerfeier fragt:

Data: Sir, der Aspekt dieser Zusammenkunft ist für mich verwirrend.
Picard: Oh, und wieso?
Data: Meine Gedanken drehen sich nicht um Tasha [die Verstorbene], sondern nur um mich selbst. Ich denke ständig, wie leer für mich es ohne sie sein wird. Habe ich alles falsch verstanden?
Picard: Ganz und gar nicht, Data. Im Gegenteil.

Link zum Zitat

Kinotrailer von Filmtrailer.com

 

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Breaking the Waves

Information:

Dänemark 2010

Dauer: 102 Minuten

Regie: Pernille Fischer Christensen

Drehbuch: Kim Fupz Aakeson, Pernille Fischer Christensen

DoP: Jakob Ihre

Musik: A.R. Rahman

Darsteller: Jesper Christensen, Lene Maria Christensen, Anne Louise Hassing, Johan Philip Asbæk, Line Kruse, Coco Hjardemaal, Gustav Fischer Kjærulff

Genre: Drama

Im Kino ab: 03.03.2011

Im Web:

Eine Familie in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Eine Familie auf Zentropa

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