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Das Kind (2005)

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Das KindBitterer Realismus, unmittelbar und dicht inszeniert, hart und doch sehr sehenswert.

Die erste Szene  macht schon alles klar: Eine junge Mutter mit dem Baby auf dem Arm. Schreien, Treten, Trampeln und kein Dach über dem Kopf. Im Handy ist der Akku leer, über den Münzfernsprecher antwortet nur der Anrufbeantworter, doch sie nimmt es souverän. Wenig später wird sie sagen „Ich bin glücklich“. Denn in der Welt von Sonia (Déborah François) bewirft man sich nicht mit Kissen, wenn man glücklich ist, sondern mit Steinen. Der Traumprinz ist ein Dieb, die romantische Zweisamkeit findet in einem Dreckloch zwischen Stadtautobahn und Fluss statt und Geld für überflüssigen Krempel ist immer da.

Die Regiebrüder Dardenne lassen die geballte Bitterkeit der Unterschicht auf das Publikum los und verblüffen damit, wie wenig die Figuren selbst sich betroffen fühlen. Der Mensch, so scheint es, kann sich erschreckenderweise an alles gewöhnen, nicht nur im Krieg. Aber wie schrecklich dieses Leben ist, offenbart sich erst in der Brechung am außenstehenden Beobachter. Ohne jegliche Musik und mit wenigen Schnitten inszeniert sich dieses Realdrama derart dicht und komprimiert, dass es weh tut. Drehbuch, Schauspieler, Choreografie und Handkamera spielen derart gut zusammen, dass die gezeigte Unmittelbarkeit das Funktionieren des Films garantiert, ohne weitere Zutaten. Spaß macht das Gezeigte dennoch keinen.

Bruno (Jérémie Renier) ist ein verantwortungsloser Lügner, Dieb ohne Skrupel und Sonias Freund. Alles,was zwischen den beiden existiert, ist Neckerei und pausenloses Herumgealbere, als wären die beiden noch zwölf. Ach ja, und ein Kind existiert neuerdings auch. Bruno scheint kein sonderliches Interesse an dem Kind zu haben, was sich ändert, als er darin eine Geldquelle erkennt. Die überzeugend von Renier gespielte unruhige Figur des Bruno scheint vollkommen vom Leben durchflossen zu sein und nichts, aber auch rein gar nichts bleibt davon hängen. Es fließt aus ihm hinaus wie es hineinkommt und als Meister der Bedeutungslosigkeit hat er es gelernt, immer irgendwie obenauf zu schwimmen, ohne abzusaufen. Diesmal aber geht es schief und die Fluchtwege werden immer enger, so dass das Wasser unaufhaltsam steigt.

DAS KIND beschreibt die traurige, bittere und tragische Konfrontation zweier unbeschwerter junger Menschen der Unterschicht, die durch das Kind über kurz oder lang mit der Sinnentleertheit und Wertlosigkeit ihres Daseins konfrontiert werden. Dabei ereilt Sonia die Einsicht weitaus schneller, dass eine Veränderung nötig ist, als ihren teilweise schon dem Autismus nahen Freund Bruno. Aber eine Person gibt  es, die bis zum Schluss Geduld mit den beiden hat: Das neun Tage alte Kind. Wo die Dardennes ihren Figuren ansonsten keine Unannehmlichkeit ersparen, sie brüllen lassen und frieren und bluten und hungern und verzweifeln, da bleiben sie vollkommen und überraschend vom Geschrei eines Kleinkindes verschont . Der Mensch gewöhnt sich eben an alles, so früh schon…

Ähnliche Filme:

Hotte im Paradies

Preise

Goldene Palme bester Film, Cannes 2005

Information:

Orig. Titel: L’enfant

 

Belgien, Frankreich 2005

Dauer: 95 Minuten

Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Drehbuch: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Darsteller: Jérémie Renier, Déborah François, Fabrizio Rongione, Olivier Gourmet, Jérémie Segard

Genre: Drama, Realismus

Im Kino ab: 17.11.2005

Im Web:

Das Kind in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Das Kind auf der offiziellen Website

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