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Brothers (2009)

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Zerreißendes Drama: Hollywood Remake über die Schwäche von Menschen mit Starbesetzung.

Die winterlich weißen und klaren Landschaftsszenarien erinnern mit der Musik tief klingender Saiten an BROKEBACK MOUNTAIN, und klar, Jake Gyllenhaal auch. Und dramatisch geht es auch diesmal zu, todtraurig sogar. Aber die Reinheit der Landschaft, die auch Afghanistan etwas Metaphysisches verleiht, will kaum in die Katharsis kommen. Stattdessen erstarrt der dem Schicksal unterlegene Mensch beim Anblick solcher Erhabenheit in seiner eigenen Unfähigkeit und sieht sich selbst beim Ertrinken im und am Leben zu. So könnte man den Eindruck umschreiben, der nachklingt, während der Abspann von BROTHERS über die Leinwand streicht.

Es ist nicht nur ein Film, der den schlimmen Gefühlen zum Thema Krieg auf den Zahn fühlt, sondern mehr noch einer, der sich alle gebeutelte Menschen näher ansieht und ihnen allesamt nicht viel Standhaftigkeit diagnostiziert. Der eine Bruder war immer der Bessere, der andere wird zum Kriminellen. Die eine war Cheerleader und ihr Gegenpart freilich Quarterback. Der nächste ist ein Veteran aus dem Vietnamkrieg und was von seiner Familie übrig blieb ist dem entsprechend „geprägt“. Der Soldat, die Witwe, die Kinder, der Onkel, das sind alles Erwartungshaltungen, aber die Menschen dahinter sind schwach. Letztendlich weiß man nie, wen man vor sich hat, denn die Situation macht die Menschen erst. Das Fatale dabei ist, dass BROTHERS keinen ausbrechen lässt, aus keiner Situation. Als Grace Cahill (Natalie Portman) erfährt, dass ihr Ehemann, der Soldat Sam (Tobey Maguire), sein Leben in Afghanistan verloren hat, nehmen diese Situationen ihren Lauf und bringen unaufhaltsam Unglück, Glück, Unglück usw.

Bis zu einem gewissen Grad aber verläuft in BROTHERS alles vorhersehbar. Schnell wird klar, worum es gehen soll und gehen muss und manchmal kratzt der Film nur schwer die Kurve, verrennt sich aber glücklicherweise dann doch nicht in den Niederrungen der menschlichen Seele, in die Dramen dieser Art gerne einmal abdriften. BROTHERS will mehr, will nicht Einzelschicksal und nicht Sozialdrama sein, weder Anti Kriegsfilm noch Tragödie. Stattdessen blickt Regisseur Sheridan in die Menschen wie in seine immer wiederkehrenden Winterlandschaften. Die sind eben so wie sie sind: Schön, aber auch kalt und gefährlich.  Gefährlich wie die gemeinsamen Mahlzeiten und Familienfeiern bei den Cahills, wo Worte aus ehrlichem Kindermund, elterliche Verbitterung, Versagensangst, Selbstzweifel, Scham und Angst sich in Sätzen ergehen, deren Banalität die Unmöglichkeit menschlicher Weisheit und Größe trefflichst auf den Punkt bringt. So treffend Missverständnisse hier inszeniert werden, werden sie andernorts mühevoll und nicht immer nachvollziehbar konstruiert. Das wären nicht nötig gewesen, denn Tobey Maguires wilder Blick und sein gekonnt steifes Schauspiel entrücken ihn derart von seiner Umwelt, dass keine Missverständnisse mehr konstruiert werden müssen, er selbst ist das Missverständnis.

Manchmal dümpelt der Film zu sehr in Klischees vor sich hin, wenn partout alles schön sein soll. Dann gibt es wie immer die Schneeballschlachten, das Schlittschuhlaufen und den Eierkuchen, der dann eben Pan Cake heißt. Das dramaturgische Konzept findet seine Auflösung in solchen Momenten vielleicht etwas zu wörtlich. Genauso wenig darf man in diesem Film Aufschluss über Krieg oder Afghanistan erwarten. Die Taliban sind bloß Karikaturen ihrer selbst und dienen der Zweckerfüllung einer Dramaturgie, deren Ziel es ist, das Wesen des Menschen offenzulegen.

Portman ist zwar herzzerreißend, aber manchmal einfach zu schön und perfekt, um in der Rolle der vom Schicksal geprügelten und braven Mutter immer passend zu wirken. Anders dagegen Jake Gyllenhaal, der als Sams Bruder Tommy treffsicher den liebevollen Chaoten und Versager gibt. Sam Shepard darf mit seinem eher inkonsequenten Part des Vaters der beiden Brüder nicht nur glänzen, Tobey Maguire hingegen wird ans Äußerste getrieben und verwandelt seinen jungenhaften Körper in ein glaubhaftes Wrack.

In Punkto Remake (Originalfilm: Brødre – Zwischen Brüdern von Suanne Bier, 2004 Dänemark) hält sich BROTHERS zwar an die Geschichte, gibt dem Gefühlten aber mehr Platz zur Entfaltung und erstickt es nicht ganz im engen Sozialdrama. Ob das besser ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Nötig war der Film wohl nicht, aber gut ist er trotzdem.

Information:

USA 2009

Dauer: 105 Minuten

Regie: Jim Sheridan

Drehbuch: David Benioff, Susanne Bier, Anders Thomas Jensen

DoP: Frederick Elmes

Schnitt: Jay Cassidy

Musik: Thomas Newman

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Natalie Portman, Tobey Maguire, Bailee Madison, Sam Shepard

Genre: Drama

Im Kino ab: 27.01.2011

Im Web:

Brothers in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Brothers auf der offiziellen Website


Kinotrailer von Filmtrailer.com

Brothers (2009), reviewed by Christopher Haug on 2011-01-24T00:09:06+00:00 rating 3.7 out of 5

1 comment to Brothers (2009)

  • Hat mir leider und wider Erwarten nicht so gut gefallen. Die erste Hälfte fand ich so extrem unausgewogen zwischen unpassendem Humor und Resozialisierungskitsch schwankend, dass mich die eigentlich vor Emotionen berstende zweite Hälfte kalt gelassen hat

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