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The Tourist? Der Idiot heißt doch Donnersmarck?!

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So fragten vielleicht in den letzten Tagen viele Filmkritiker, denn es scheint gerade zu gefallen Donnersmarck zu kritisieren; dabei stand doch eigentlich THE TOURIST auf der Liste der Kritiker, also der Film. Aber vielleicht haben sie alle nur auf ihren Moment gewartet, den Moment, an dem sie ihrem Missmut Ausdruck verleihen konnten, den Donnersmarck hervorrief, mit seinen nicht immer bescheidenen Auftritten seit dem Oscar für DAS LEBEN DER ANDEREN. Und ein Moment der Schwäche ist für Feiglinge freilich immer der Rechte Moment zuzuschlagen. Die Kritiken aus Übersee waren wohl nicht gerade berauschend, aber auch nicht so gemein wie einige deutschen – obwohl die Zuschauer den Film durchaus zu mögen scheinen. Dass das Einspielergebnis von THE TOURIST derzeit trotzdem bei über 26 Millionen Dollar liegt, passt gut zur rottentomatoes.com Wertung, deren Kritiker dem Film zwar nur 21% zusprechen, 78% jedoch erhält er in der Zuschauerwertung.

Aber man nahm den Umstand, dass THE TOURIST in Amerika nicht unbescholten blieb, dennoch gleich zum Anlass Donnersmarck abzuschießen. Abgesehen vom massenhaften gegenseitigen Abschreiben, was bei Filmkritiken im Internet ohnehin Gang und gebe zu sein scheint, fiel plötzlich jedem Rezensenten so allerhand famoses ein, um in den Chor der Unkenrufe einzustimmen. Nicht selten kommt dabei der Verdacht auf, das Fähnchen hänge ein wenig zu weit im Wind, denn die Vorwürfe muten bisweilen skurril an, um nicht zu sagen an den Haaren herbeigezogen. Fraglich, ob da überhaupt noch versucht wurde den Film als solchen zu sehen?

Schmollende Klatschfantasten

Dabei gibt es doch derart viel Kurioses und Außergewöhnliches zu finden in diesem Film. Dass die vielbesprochenen Liebe zwischen Elise und Frank nicht so wirklich aufschimmert, dass die Chemie zwischen Depp und Jolie nicht stimmt, ist doch kein Grund den Film zu verteufeln, wenn es darum in dem Film gar nicht geht. Das machen aber wohl all jene Klatschfantasten, die gerne Jolie und Depp in einer Liebesschnulze vereint gesehen hätten. Bei James Bond hat sich noch keiner aufgeregt, dass er nie wirklich den Eindruck erwecken konnte ernsthaft verliebt zu sein. Genauso wenig störte es, dass James Bond und unzählige andere Helden in hunderten von Filmen beschossen aber nicht getroffen wurden, ja dass sie gar beschossen wurden, obwohl sie unbedingt lebend gestellt werden musste. Film und Glaubwürdigkeit leben seit jeher in einer Hassliebe, wen überrascht das also?

Und ist es nicht kurios, dass in unzähligen Kritiken moniert wird, wie lahm oder merkwürdig diese Szene sei, in der Jolie und Depp sich mit ihrem Motorboottandem in unförmigen Bewegungen durch die so schönen Kanäle und den so aufgeräumten Film holpern, minutenlang. Vielleicht genauso unaufgeräumt wie Depps oft kritisiertes „aufgeschwemmtes Gesicht“ oder die „Bewegungsarmut in seinem Spiel“. Und vielleicht genauso unförmig, wie die abfällig belächelten „lahmen Actionszenen“, die wie Zeitlupen daherkämen. Aber wenn man von einem langsam fahrenden Boot durchs Wasser gezogen wird, ist man immer noch schneller als ein Schwimmer, nicht? Und wenn die Scharfschützen nicht wie in den gängigen Actionreißern Aufstellung nehmen, dann handelt es sich vielleicht gar nicht um einen Actionfilm, wie es sich auch nicht um eine Liebesschnulze handelt. Und wenn dieser angeblich so aufgeräumte, „glanzvolle“ Film der „Oberen“ und Schönen, nun all dies gar nicht ist, dann lohnt es vielleicht doch noch einmal genauer hinzusehen. Da kaum einer es schaffte den Diskurs Donnersmarck außen vor zu lassen, fallen viele Kuriositäten dieses Filmes unten durch, die, wäre der Film von einem Regisseur gemacht worden, der für Innovation oder Experiment steht, wohl eher für Furore gesorgt hätten, und nicht im Schlechten. Mag sein, dass Donnersmarck Traditionalist ist, mag sein, dass ihm der Film aus dem Ruder gelaufen ist, aber THE TOURIST ist nun einmal kurios.

Wir sind Papst – nicht Spielberg

Aber wir verbleiben im Diskurs Donnersmarck, bleiben eben auch das Produkt unserer Gesellschaft und Erfüllungsgenosse Mensch. Wenn da nur wenigstens diese Schadenfreude nicht wäre. Die meisten derer, die über ihre Kritik in den vergangenen Tagen auf Donnersmarck gespuckt haben, sind wohl Mitläufer und was sie vielleicht am meisten frustriert hat war der Umstand, dass wir zwar Papst sind, aber eben nicht Steven Spielberg. Donnersmarck hat nicht den Hammerfilm abgeliefert, jedoch einen äußerst kuriosen und gewagten Film, einen schrägen und anachronistischen, einen genrelosen und lustigen, einen ärgerlichen und auch einen cineastischen.

Wohl keiner dieser schimpfenden und monierenden Kritiker hat jemals einen Film gemacht. Die wenigsten von denen haben jemals einen Film ordentlich analysiert, über den sie schrieben – wie denn auch, wann denn auch? Freilich, sie alle lieben Filme, aber nur weil sie in Filme vernarrt sind und alle Filme gesehen haben, haben sie noch lang nicht die Kompetenzen Filme zu beurteilen. Das tun sie auch nicht, auch wenn manche glauben sie täten es. Ihre Aufgabe ist es vielmehr zu tratschen. Sie sind nichts weiter als Klatschreporter und je länger sie im Geschäft sind und je sicherer sie sich fühlen, desto deutlicher wird auch, dass es eigentlich nie um den Film, sondern immer nur um ihre eigenen Eitelkeiten geht. Die Filmkritiker sind somit selbst das Spektakel der Kritik, nicht etwa der Film, der ihnen nur den Anlass gibt etwas über ihre persönlichen Empfindungen zu schreiben. Ich nehme mich selbst hierbei nicht aus. Und was uns THE TOURIST mit all seinen Kritiken  schließlich  sagen will ist wohl: Wir hatten einen ganz anderen Traum von einem Film mit Depp und Jolie, den unser Alter Ego Donnersmarck drehen sollte. Schade, aber egal. THE TOURIST ist ja auch nicht schlecht.

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