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Kreativität und Erleuchtung

Wann kann ich wirklich etwas Kreatives tun? Immer nur, wenn ich außer meiner Selbst bin. Wenn ich meine Träume aufschreibe und wenn ich auf viel Input reagiere. Von mir selbst kommt nichts als die alten Schemata in ewiger Wiederkehr. In beiden kreativen Fällen ist es eine Reaktion auf ein Außen. Beim Input und bei den Träumen, die letztendlich das Reflektieren über den Input sind, aber ohne mich selbst einzubinden. Wenn man sich im Fluß verliert, wird man kreativ – relativ kreativ – nämlich dem Selbst gegenüber. Und deswegen muss Kreativität vielen Künstlern wie eine Erleuchtung vorkommen. Deswegen ist es so schwer sie zu evozieren. Deswegen brauchen sie ihre Musen. Deswegen zerstören sich nicht wenige dabei selbst, weil sie sich selbst vergessen und erst in einer Art Traumzustand fähig sind zur kritischen Betrachtung ihrer Selbst, ohne die restriktiven Mechanismen und Funktionen des Bewusstseins, die wir Charakter nennen und die vielleicht nicht nur durch die Not des Lebens bestimmt werden sondern eher durch eine Not, die sich weit mehr in soziale und kulturelle Gefüge erstreckt, als man gemeinhin annehmen möchte. Nur wer sich in Gefahr begibt, kann sich erleuchten und wird heimgesucht. Und das, was einen da heimsucht, hat nicht selten den Geschmack der Volkommenheit, der Perfektion – und gleichzeitig der Paradoxie.

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