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Kritik: Babycall

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Babycall PosterWirklichkeit und andere Fiktionen: Verloren im Erinnerungsverlust von Noomi Rapace.

Es dauert gar nicht lange, bis in BABYCALL klar wird, dass in der Welt von Anna (Noomi Rapace) alles nicht in Ordnung ist. Flüsternd und bedrängend schiebt sich das erste Bild in den Film, verstörend und mit einer Musik, die schon weint noch ehe man seufzen kann – es bläst der Chor der griechischen Tragödie zum Gefecht! Wortlose und monotone Gesten sprechen Bände, Körperhaltungen erzählen von einer gekrümmten Seele. Noomi Rapaces wächsernes Antlitz gibt eine ungeschminkte Landschaft preis, in deren Tiefe man sich bald voll Schwermut verliert. Für Anna ist es ein ganz schlimmer Albtraum, dass ihr Mann versuchte Sohn Andres (Vetle Qvenild Werring) zu töten. Das Jugendamt besorgte ihr eine neue Wohnung, in der sie in ständiger Furcht vor der Entdeckung durch Andres Vater ausharrt. Am Rande der Hysterie und im Bann der Angst bedrängt sie ihren Sohn aufs äußerste, um ihn ja beschützen zu können. Sowohl die Betreuer des Jugendamts als auch die Lehrer in der Schule werden zusehends misstrauisch, ob der Vetrauenswürdigkeit dieser sich auflösenden Mutter.

Babycall Noomi Rapace Bank vor Wohnblock Bild

Gekrümmter Körper vor kolossaler Wirklichkeit: Noomi Rapace ist Anna.

Was ein bitteres Sozialdrama hätte sein können, hebt Regisseur und Autor Pål Sletaune in den Rang eines Mysteryfilms mit Psychothrill und Metafiktion. So wird der nüchterne Pfad der Wirklichkeit eines derartigen Dillemmas zwar verlassen, dafür zeichnet die Gestaltung aber umso echtere Landkarten eines Realitätsverlusts, dem sich Anna zusehends ausgesetzt sieht. So entsteht ein viel begreiflicheres Gefühl dessen, was diese Frau erleidet – und ein verwirrendes Gefühl voller Ergriffenheit. Wie ein kühler Waschlappen auf der gehetzten Stirn der Mutter wirkt es da, als sie die Freundschaft mit Helge (Kristoffer Joner) schließt, der ihr im Elektromarkt ein Babyphone zur Überwachung ihres achtjährigen Kindes verkauft. Sie sei einfach nur feinfühliger als andere, gibt er zurück, als Anna ihm in einem der wenigen ruhigen Momente gesteht, dass sie Dinge sieht, die nicht wahr sind.

Babycall Noomi Rapace Kristoffer Joner Bild

Nervenbündel trifft schüchterne Steifheit: Anna (Noomi Rapace) kauft bei Helge (Kristoffer Joner) ein Babyphone.

Aber BABYCALL lässt nicht locker, denn nichts und niemand in diesem Film darf einer friedlichen Normalität entspringen. Fast jede Figur zerfällt in Verletzlichkeit und Bedrohung, jeder Raum, jedes Gebäude. Der mächtige Wohnblock mit seinen psychiatrischen Fluren und schweren Türen beschützt und erdrückt Anna. Die in stoischen Totalen gefilmte Schule ihres Sohnes eröffnet ein ebenso weites Feld der Hoffnung, wie sie mit ihrem wortlosen Vorwurf und den mahnenden Gesten bedroht. BABYCALL stilisiert an allen Ecken und Enden, bleibt aber trotzdem ganz leise. Bis auf diese Schreie aus dem Babyphone, die Anna plötzlich empfängt und die auf schlimme Geschehnisse im Hause hindeuten.

Babycall Noomi Rapace bereit zu kämpfen Bild

Bereit zu kämpfen: Anna (Noomi Rapace) wittert überall Gefahr.

Anna hat einen Sinn entwickelt für alle die grausame Niedertracht der Menschen und sie leidet darunter wie eine unerhörte Kassandra. Aber auch Helge hat sein Kreuz zu tragen und gemeinsam wirken sie wie zwei verstörte Kinder, deren Hände sich erst im größten Sturm fanden. Der Film benötigt nicht viel um zu packen. Die sparsamen Sets, die wenigen Schauspieler, die oft wiederholten Routinen zur Charakterisierung der Figuren, fehlende Lebendigkeit allerorts gepaart mit einer überexpliziten und erdrückend ruhigen Stilisierung – das sind sonst oft Hinweise auf noch hinkende und schmal budgetierte Erstlingsfilme. Für die Story von BABYCALL ist all dies ein Segen.

Babycall Vetle Qvenild Werring Bild

Steht im Zentrum: Annas leidensfähiger Sohn Andres (Vetle Qvenild Werring)

Woher kann man wissen, dass einen die Erinnerung nicht trügt? Der eine hat zu viele davon, die andere zu wenig. Beide taumeln verwundet durchs Leben und der Zuschauer versinkt in ihnen bis tief in den ruhigen und tiefschwarzen Abspann hinein. Das Wirkliche kann oft nicht gefühlt werden, weil es zu unmöglich ist. Aber das Gefühlte ist immer wirklich, und sei es …

Babycall ist wahnsinnig/gut und Noomi Rapace nicht erst jetzt absolut atemberaubend.

Ähnliche Filme:

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Information:

Norwegen 2011

Dauer: 95 Minuten

FSK: 16

Regie: Pål Sletaune

Drehbuch: Pål Sletaune

DoP: John Andreas Andersen

Musik: Fernando Velazquez

Darsteller: Noomi Rapace, Kristoffer Joner, Vetle Qvenild Werring, Stig Amdam, Maria Bock, Torkil Johannes Høeg Swensen

Genre: Mystery, Psycho, Tragödie

Im Kino: 12. Juli 2012

Im Web:

Babycall in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Babycall auf der offiziellen Website

Copyright Bilder und Trailer: NFP

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