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To Rome With Love (2012)

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To Rome With Love PlakatSchonungsvolle Selbstbetrachtung: Im Rückblick ist Woody Allen seiner Zeit weit voraus.

Woody Allen bringt sich mal wieder selbst auf die Leinwand, in einem Episodenfilm mit filmgeschichtlicher Antiquiertheit und wenig zwingendem Bezug zu Rom. Trotz großem Starensemble schlägt TO ROME WITH LOVE kleine Töne an, denn der Rückblicks aufs Leben mit einer stets selbstironischen Erkenntnis des Status Quo vermittelt bestenfalls sanften Frust, nimmt das Leben aber ansonsten ohne allzu tiefe Hintergedanken sehr versöhnlich. Auf vier Episoden verstreut Allen seine Stars, hebt ab mit 50er Jahre Musik und überstilisiert gleich zu Beginn dank charmanter aber nichtssagender direkter Zuschaueradressierung. Ob es dem Film wirklich so sehr um die Römer und ihre lebhafte Stadt geht, bleibt fraglich. Wahrscheinlich gibt die ewige Stadt schlichtweg eine allegorische Kulisse auf das wuselnde Leben der Individuen, deren Bewegung sich in jedem Moment in den Wogen der jahrtausendealten Stadtgeschichte zu verlieren droht.

To Rome With Love Roberto Benigni Image

Roberto Benigni auf der Flucht ins Mittelmaß.

Der Film überzeugt nicht mit allen Episoden, die untereinander auf Metaebene korrelieren und ein Bild der Menschen entwerfen, das im Presseheft des Films ausführlich und mit Kommentaren Allens versehen verdeutlicht wird. Das meiste davon erschließt sich auch ohne Lektüre und langes Grübeln, wie etwa das Sinnieren über das ungerechte Spiel mit Ruhm und Talent oder über die gefährliche Beziehung von Verstand und Liebe. Dass dieses Reflektieren jedoch vom Zuschauer ganz individuell verkostet werden darf, ist in jedem Fall ein Zugewinn für einen Film, der in manchen Momenten sehr nachhaltig anstößt, obwohl er so tollpatschig und fröhlich vor sich hin plätschert, als könnte jederzeit Adriano Celentano um die Ecke tigern. Stattdessen wird das Auge mit Ornella Muti überrascht, einem weiteren selbstreferenziellen Hinweis auf Film und Ruhm. Wortlastig wie immer versucht Woody Allens filmisches Zeigen den Blick des Äußeren auf sein eigenes Inneres zu entlarven, Personen und Geschichten hierfür bietet der Film en masse.

To Rome With Love Jesse Eisenberg Ellen Page Alec Baldwin Bild

Monica (Ellen Page) wickelt Jack (Jesse Eisenberg) um den Finger, John (Alec Baldwin) warnt vor der Sirene.

Leopoldo Pisanello (Roberto Benigni) wird – leider etwas zu parabelhaft – grundlos über Nacht berühmt gemacht, weswegen sein sprechender Körper schnell an Reiz verliert, diegetisch wie nicht diegetisch. Ellen Page brilliert als Monica an der Seite von Jack (Jesse Eisenberg) und John (Alec Baldwin), wobei John Jacks Ratio ex Machina darstellt, aber trotzdem nicht gegen Monicas ignorante Verführung ankommt. Und freilich lässt Woody Allen es dabei nicht aus, auf die Mechanismen der Selbstintriganz und des Schönredens hinzuweisen, was besonders auch beim Abenteuer der frisch Vermählten Milly (Alessandra Matsronardi) und Antonio (Alessandro Tiberi) deutlich wird. Die brave Flunkerei ihrer Selbsteinschätzung verkommt zur Farce, sobald die beiden die römische Glitzerwelt betreten. Dabei ist der Beitrag der Prostituierten Anna (Penélope Cruz) zur Dekonstruktion der Einfaltspinsel vom Land eher marginal. Allen inszeniert die Nebenrolle von Cruz ohne viel PRETTY WOMAN Esprit eher im Leerlauf.

To Rome With Love Alessandro Tiberi und Penelope Cruz Bild

Antonio (Alessandro Tiberi) fest im Griff der Lady in Red (Penélope Cruz).

Schließlich betritt der Meister persönlich als ehemaliger Opernregisseur Jerry das Spielfeld – aber eigentlich als Woody Allen, wie immer. Zwanghaft versucht der todesängstliche Ignorant einen Bestatter zum Opernstar und sich selbst unsterblich zu machen. Am Ende von turbulenten Überkreuzungen und seichtem, psychoanalytischem Doppelpass präsentiert sich der liebenswürdige Jerry als Vollidiot – eine Entschuldigung vielleicht auch für all die rechtfertigenden Ratschläge des Films. So soll im Zweifelsfall erdrückender Ruhm dem Mittelmaß vorgezogen werden und der Verkauf der eigenen Seele scheint ebenfalls ganz vernünftig…

To Rome With Love Woody Allen Judy Davis Bild

Woody Allen ist der Versager Jerry, seine Frau Phyllis (Judy Davis) beruhigt ihn mit Anachronismus.

Doch letztendlich, so der zurückbleibende Eindruck, stehen wir ohnmächtig vor dem Leben, das uns mit Liebe, Lügen, Ruhmsucht und Enttäuschungen unterhält und malträtiert, dabei aber immer irgendwie liebenswert bleibt. Woody Allen ist es erneut gelungen einen dieser Filme zu machen, die man gerne sieht, weil er gelebte Gedanken unzähliger Menschen anspricht, diese aber derart absurd präsentiert, dass sie gleich viel besser verdaulich sind: Leichte Kost mit etwas Nährwert, die ruhig deftiger hätte ausfallen dürfen!

 

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To rome with Love Ellen Page Bild

Heißes Eisen: An Ellen Page werden sich noch viele Darsteller die Finger verbrennen…

Vicky Cristina Barcelona

Information:

USA/Italien 2012

Dauer: 110 Minuten

FSK:

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

DoP: Darius Khondji

Darsteller: Woody Allen, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Judy Davis, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig, Ellen Page

Genre: Komödie, Satire

Im Kino: 30.08.2012

Im Web:

To Rome With Love in der IMDb

Bilder und Trailer zur Kritik von To Rome With Love auf der offiziellen Website


Copyright Bilder und Trailer: © TOBIS Film

To Rome With Love (2012), reviewed by Christopher Haug on 2012-08-28T17:59:59+00:00 rating 3.3 out of 5

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