Wächter der Nacht (2004), Wächter des Tages (2006)

Wächter des TagesWaechter der NachtFantasy Abenteuer Epos, das auf trashige Art an BLADE und DER HERR DER RINGE erinnert. In diesem modernen Märchen mit exaltiert zur Schau getragenen russischer Seele vereint sich versponnene Träumerei mit banalem Menschsein. In Russland erfolgreicher als TITANIC. Absolut sehenswert.

Moskau 1992: Anton (Konstantin Chabenski) will seine Freundin zurück, zur Not auch mit schwarzer Magie. Kaum hat er der Hexe aber seine Seele verkauft, bereut er es schon. Zu spät. Oder doch nicht? Jedenfalls verändert die Welt für immer ihr Gesicht und Anton wird von nun an nicht mehr sein, wer er war. Stattdessen findet er sich 12 Jahre später in der schäbigen Montur der Moskauer Elektrizitätswerke wieder, einen Werkzeuggürtel um die Hüften und mit dem Auftrag Licht ins Dunkel zu bringen. Wie Robert de Niro in seiner vielleicht besten Rolle als Heizungsmonteur Harry Tuttle in BRAZIL, so ist auch Elektriker Anton weit mehr als ein bloßer Handwerker. Er ist jetzt ein Wächter der Nacht.

Basierend auf den gleichnamigen Romanen des erfolgreichen Fanatsyautors Sergei Lukjanenko kreiert Regisseur Bekmambetow einen wilden Ritt durch die überzogen düster stilisierte Moskauer Moderne, die durch ausufernde Fanatsiewelten unterminiert wird, ohne jegliche Rücksicht auf Übersichtlichkeit. Die Logik bleibt hierbei nur scheinbar auf der Strecke, tatsächlich verfolgt WÄCHTER DER NACHT/DES TAGES die emotionale Logik des Staunens, die weit mehr zu bieten hat als bloße Effekthascherei und mit ihrer dramaturgischen Rücksichtslosigkeit dem Märchen näher steht als die Fantasy Geschichte erahnen lässt. Im FLUCH DER KARIBIK bringt es Johnny Depp als Jack Sparrow mit dem Wort „Pirat“ auf den Punkt, welches nicht nur sein unfaires Spiel rechtfertigt sondern deutlich in Erinnerung ruft, dass alles ein Spiel ist und er die Regeln nach Belieben dirigiert. Ein ähnlich deutliche Ausstellung des Spiels oder eben der Erzählsituation, die nichts anderes ist als ein Spiel, findet sich im „Es war einmal…“ des Märchens. WÄCHTER DER NACHT ebenso wie WÄCHTER DES TAGES erlaubt sich den gleichen, unverhohlenen, „piratischen“ Eingriff in den Fortlauf der Geschichte und bleibt deshalb ein zwar gefährlicher, vor allem aber spielerischer Tanz von Gut und Böse, in dem bis zuletzt jeder Schritt erlaubt ist, solange die Haltung gewahrt bleibt. Die Folge sind auf der Seite der Dunkelheit der durchtriebene aber doch ehrenhafte Sawulon (Wiktor Werschbizki) sowie der ordentliche Bürokrat Gesser (Wladimir Menschow) auf der Seite des Lichts, die sich respektvoll und fast schon freundschaftlich um den Fortgang der Welt streiten und dabei immer mehr zu wissen scheinen, als ihnen die bloße Erzählung erlaubt. Die allegorische Erzählweise erinnert dabei genauso wie die Verwobenheit von Gut und Böse an Bulgakow’s Klassiker Meister und Margarita, der sich wiederum eng an Goethes Faust anlehnt. Trotz Jogginghose und Unterhemd gibt Sawulon einen sittlich bösen Mephisto, der Pudel wird jedoch zum Papagei.

Die Anderen gab es seit Anbeginn der Zeit unter den Menschen, als Zauberer, Magier und Vampire. Ihr ewiger Kampf gegeneinander führte zu einem Waffenstillstand, der von den Wächtern des Tages und der Nacht gewährleistet wird, um die Zerstörung der Welt zu verhindern. Dieses Gleichgewicht gerät ins Wanken, als ein großer, dunkler Anderer sich für die Nacht entscheidet.
Abwechselnd von Bier, Wodka und Blut besoffen torkelt der lakonische Anton im labberigen Wollpullover durch ein schmutziges Moskau und dessen Zwielicht, beim Versuch seine Fehler wieder gut zu machen. Begleitet wird er von Hardrock ebenso wie von russischer Folklore, Ska und Flötenmusik. Ähnlich kunterbunt gestalten sich Ausstattung und Kostüm, wobei beides den Bildern zu einer frischen Echtheit verhilft. Die Spezialeffekte bieten neben billigen Speedups und veralteten 3D Animationen auch gelungene Computerwelten und packende Bilder, insgesamt dominiert aber die reale Physis, was dem Fantastischen der Geschichte eine erfreuliche Grifffestigkeit gibt. Weniger greifbar sind neben manch unerklärlichen Szenen gewisse Sprünge in der Handlung, aber hey: Märchen!

Ähnliche Filme:

Blade, Herr der Ringe

Information:

Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor

Russland 2004

Dauer: 109 Minuten

Wächter des Tages – Dnevnoi Dozor

Russland 2006

Dauer: 146 Minuten

Regie: Timur Bekmambetov

Drehbuch: Sergei Lukjanenko, Timur Bekmambetow, Laeta Kalogridis

DoP: Sergei Trofimow

Musik: Juri Potejenko

Darsteller:  Konstantin Chabenski, Wladimir Menschow, Wiktor Werschbizki, Marija Poroschina, Galina Tjunina, Dmitri Martynow

Genre: Märchen, Fantasy, Abenteuer

Im Kino ab: 29.09.2005; 20.09.2007

Im Web:

Wächter der Nacht in der IMDb

Bilder und Trailer zur Filmkritik von Wächter des Tages auf der offiziellen Website 

 

Zweiter Trailer auf der nächsten Seite.

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